Preisträger Big Brother Awards 2013

christian jeitler chris at quintessenz.at
Sun Oct 27 05:41:47 CET 2013


anbei die Preisträger der Big Brother Awards 2013 im Volltext.

Alle Nominierungen, sowie Quellen und Hintergrundinfos unter:
http://www.bigbrotherawards.at/2013/nominees.php

Folgend die Preisträger der Big Brother Awards 2013:

## Kategorie Politik

Die NSA und das Schweigen der Lämmer
Werner Faymann mit der gesamten Bundesregierung

Die NSA hat einen Lauschposten in Österreich, sagt der "Spiegel". Ob die
Lauscher in einer Villa oder auf der grünen Wiese sitzen, konnte bis
heute nicht geklärt werden. Das verwundert nicht, konnten sich die –
theoretisch – zuständigen Ministerien Inneres und Verteidigung ja nicht
einmal darauf einigen, wer für die Aufklärung zur Aufklärung eigentlich
zuständig wäre. Außer kunstvollen Wortspenden (Mikl-Leitner:
No-Spy-Abkommen mit den USA ist notwendig) ist genau nichts passiert.
Und im Wahlkampf hat man es tatsächlich geschafft, weiter unter dem
Meinungsradar zu fliegen, und sich auf den Standpunkt "Geheim ist halt
geheim" zurückzuziehen und die Auskunft einfach zu verweigern.
Edward Snowden brachte etwas Licht in die dunklen Aktionen des
Datensammelns der Geheimdienste.
Nicht so in Österreich: Hier gab es keine Anstrengungen von Seiten der
Regierung die eigenen Bürger vor dieser systematischen Rechtsverletzung
zu schützen. Stattdessen gab es zahlreiche Bemühungen, das Ausmaß der
Bespitzelung zu verschleiern.
So hat die Regierung ein Abkommen mit der NSA, über das sie nicht sagt,
worin die Zusammenarbeit besteht. Minister Klug hält „die Frage für
beschränkt öffentlichkeitstauglich“.
Neben der Zusammenarbeit mit der NSA gibt es weitere Verträge mit
sogenannten „Partnerdiensten“ vor allem in Großbritannien, Frankreich
und Deutschland, die ebenfalls die Weitergabe nachrichtendienstlicher
Daten regeln.
Der US-Botschafter wundert sich laut Presse vom 13. 7. über die Anfrage
von Innenministerin Mikl-Leitner: „Nachzuvollziehen ist ihre Empörung
nicht ganz. Denn ihr Verfassungsschutz ist im Bild über die Aktivitäten
der NSA in Österreich“.
Ministerin Karl gibt sich kämpferisch und fordert, das Internet dürfe
kein rechtsfreier Raum sein - unternimmt aber nichts, um in Österreich
den Datenschutz zu verbessern.


## Kategorie Behörden und Verwaltung

Das pfeifen die Spatzen von den Dächern: Verpfeift den Whistleblower
Beatrix Karl, ÖVP

Nicht erst seit Edward Snowden ist bekannt, dass Whistleblower
gefährlich leben, versuchen doch die Enttarnten das Verraten ihrer
Geheimnisse mit allen Mitteln zu verhindern. Der Schutz von Informanten
vor allem im privaten Sektor müsse gewährleistet werden, sagt Franz
Fiedler, ehemaliger Präsident des Rechnungshofes. Ein Heilversprechen
das Justizministerin Beatrix Karl bei der Vorstellung des hoheitlichen
"Wikileaks" gibt, denn das neue "eingesetzte Hinweisgebersystem
garantiert die absolute Anonymität der User und kann auf der
Justizhomepage unter "Quicklinks" aufgerufen werden."
"Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie ..." sei einem potentiellen
Whistleblower geraten, bevor man sich auf diese Garantie blindlings
einläßt. In diesem Fall sind zwar keine Skripte von Google oder Facebook
eingebaut, doch dafür steht der Server bei einem Cloud-Anbieter in
Deutschland auf den kein österreichisches Ministerium hoheitlichen
Zugriff hat. Neben der österreichischen Seite werden auch die
Hinweissysteme deutscher Behörden und Firmen über den selben
Webservicedienst abgewickelt. Das BKSM- System der Berliner Business
Keeper AG
[http://www.business-keeper.com/whistleblowing-compliance.html]
verwenden in der selben Form u.a. auch Nestle, die Deutsche Bahn oder
die Commerzbank.
Eine solche Zentralisierung aller Informationsgeber in einem Service
spart auch bei der Suche nach unliebsamen Whistleblowern viel Aufwand
und auch die generellen Risiken privater Firmen bei der Speicherung
sensibler Daten sind wohlbekannt.


## Kategorie Business und Finanzen:

XBox One - das Mediacenter als Spion im trauten Heim
Steve Ballmer, Microsoft

Die XBox One soll mit ihrer Sprach- und Gestensteuerung die zentrale
Anlaufstelle für Unterhaltung aller Art, also von Spielen, Filmen,
Fernsehen und Internet im Wohnzimmer werden.
Mit scharfen Blicken und spitzen Ohren wird von der XBox alles und jeder
in der Nähe beobachtet, um ja keinen Befehl zu verpassen.
Da unsere smarten Geräte Augen und Ohren bekommen haben, wurde in den
Laboratorien unermüdlich gewerkelt, um diesen Funktionszugewinn
sinnbehaftet nutzen zu können. Schnell wurden von Spinmeistern
Patentschriften verfasst um den nächsten Level im Lizenzmanagement
erreichen zu können. Wer hier die Nase vorn haben wird, wird den
Contentmarkt der Zukunft beherrschen: Ständige Online-Verbindung ist
Pflicht, die Pflicht den Echtnamen zu nutzen, ergänzt um
Gesichtserkennung und Stimmerkennung sind die Bausteine um Spiele,
Filme, Musik und Content einzelnen Personen verkaufen zu können.
Peter Schaar, Deutschlands oberster Datenschützer, nennt die XBox gar
„Überwachungsgerät“. Nach Userprotesten wurden zwar einzelne
Überwachungsmaßnahmen zurück gestellt, aber im Hintergrund werden durch
Patentanträge die Weichen für die Zukunft gestellt.
In der Patentschrift United States Patent Application: 20120278904
"Content Distribution Regulation By Viewing User" wird beschrieben wie
Objekt-, Gesichts- und Spracherkennung dazu genutzt werden sollen,
Lizenzen und Berechtigungen derjenigen zu kontrollieren, die sich in
Hör- und Sichtweite von dem Gerät befinden.


## Kategorie Kommunikation und Marketing

Körberlgeld mit lokaler Suche
Marc Shuttleworth, Ubuntu

Sicherheitsbewußte Anwender schätzen die Vertraulichkeit lokal
gespeicherter Daten, im sicheren Bewußtsein, damit seine Daten nicht dem
Datenhunger der Suchmaschinen und Cloud Anbieter auszuliefern. Je größer
die Festplatten werden, desto mehr ist man auf eine effiziente lokale
Suche zum Wiederauffinden seiner Dokumente angewiesen.
Wenn nun diese lokalen Suchanfragen über das Netz an Werbekunden
weitergeleitet werden, schaut Amazon bei der Arbeit über die Schulter.
Der Dateimanager von Ubuntu liefert nicht nur die lokalen Treffer
sondern wie aus Zauberhand auch gleich die dazu passenden Werbeangebote
der Firma Amazon.
Lokale Suchabfragen dürfen nicht kommerzialisiert werden.
Aufgrund steigendem Bewusstseins für Privatsphäre und der
Vertraulichkeit der eigenen Daten beginnen immer mehr User sich aus
Cloud Angeboten zurückzuziehen und speichern wieder lokal.
Die in der Open-Source-Coummunity geforderte Transparenz bedeutet auf
keinen Fall den Gläsernen User, dessen Suchabfragen über die Hintertüre
ausgewertet und verkauft werden dürfen.


## Kategorie Weltweiter Datenhunger

ITU Technischer Standard zur inhaltlichen Überwachung der Netze
Hamadoun Touré, ITU

Seit dem Aufdecken der Schüffelorgien von NSA und GCHQ wissen wir wie
schlecht es bereits heute um das Recht auf Privatsphäre im Internet und
den moderen Telekommunikationsnetzen steht. Bedenklich ist, wenn eine
Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die ITU, ein Regelwerk
erstellt das die eigenen Prinzipien der UN Menschenrechtscharta auf
technischer Ebene aushebelt. Mit Hilfe von „Deep Package Inspection“ ist
die Umsetzbarkeit der Forderungen der Artikel 12, „Schutz der
Freiheitssphäre des Einzelnen“, und Artikel 19, „Meinungs- und
Informationsfreiheit“, in der modernen Welt verloren gegangen.
Nicht verwunderlich ist, dass diese Initiative von Ländern wie China,
Russland, ... eingebracht wurden. Wie wir heute jedoch wissen, ist zu
befürchten, dass diese Technik auch von den Geheimdiensten der
westlichen Welt für ihre Geheimaktivitäten genutzt werden wird.
Als weltweite Standardisierungsstelle werden die technischen
Anforderungen ITU-T Y.2770 "Requirements for deep packet inspection in
next generation networks" in zukünftigen Geräten weltweit implementiert
sein. Da die Hersteller von Geräten zur Netzwerksteuerung diesen
Standard möglichst vollständig in ihren Geräten implementieren werden,
können in Hinkunft an allen Stellen eines Netzes die maximalen
Funktionen zur detaillierten Datenanalyse auf Knopfdruck aktiviert werden.


## Kategorie Lebenslanges Ägernis

NSA - Yes we Scan

Yes we Scan - Von Anfang an bekennt sich der amerikanische Präsident
dazu alle unsere Kommunikation, alle Emails, alle Telefonate abzuhören
und zu analysieren. Das passiert alles im Rahmen unserer Gesetze und
erfolgt mit großem Bedacht. Es ist unsere Aufgabe Amerika und seine
Alliierten vor Gefahren zu schützen.
Kein europäischer Politiker hat mit dieser Aussage ein echtes Problem,
sind wir doch alle freundschaftlich miteinander verbunden. Haben sich
doch die ehemals Alliierten in der Koalition der Willigen in ihrem Kampf
gegen das Böse in der Welt zusammengefunden. In ihrer vermeintlichen
Kooperation haben die Staaten Europas übersehen, dass nach 9/11 mit der
Verabschiedung des Patriot Acts eine Zwei-Klassen-Gesellschaft
entstanden ist. Als Europäer werden wir von den USA nicht mehr als
gleichrangige Partner, sondern als völlig entrechtete potenzielle
Gefahrenquellen gesehen. Schrittweise wurde das Internet und die
modernen Technologien so umgebaut, dass Daten nicht mehr geteilt,
sondern in einen steten Strom in die Rechenzentren der NSA geflossen
sind. Es bedurfte eines kleinen Technikers um die Auswirkungen dieser
Überwachungsmaschinerie auf uns alle aufzuzeigen: "Ich will nicht in
einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der
Name jedes Gespräch- partners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe
oder Freundschaft aufgezeichnet wird", Edward Snowden


## Kategorie Volkswahl

NSA & GCHQ


mit freundlichen Grüßen
--
Christian Jeitler                           Mob.:  +43-(0)699-81729005
-.-. --.-  -.-. --.-  -.-. --.-  -.-. --.-  "privacy is a human right"
Board of Directors, q/uintessenz             http://www.quintessenz.at
association for the restoration of civil rights in the information age

MQ - Electric Avenue                        ZVR: 63 56 16 285
Museumsplatz 1                              Kto.Nr. 01755-0534-00
A-1070 Wien                                 BLZ 11000 - Bank Austria
-.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-.


More information about the presse mailing list