Gewinner und Fotos Big Brother Awards 2012

christian jeitler chris at quintessenz.at
Fri Oct 26 16:38:06 CEST 2012


Sehr geehrte Damen und Herren,


anbei die Gewinner der Big Brother Awards 2012.

Fotos der Gala (honorarfrei unter Namensnennung "Joanna Pianka"):

http://www.300dpi.at/bba_pressefotos_c_joanna_pianka.zip

Die Volkswahl (lief bis Mittwoch 24:00) hat ELGA noch im Schlusssprint
gewonnen. Die Infobroschüren in Arztpraxen und die Verunsicherung von
Ärzten nach der vermeintlichen Einigung hat Wirkung gezeigt.

### Nominierte Big Brother Awards 2012 ###

http://www.bigbrotherawards.at/2012/nominees.php

### Preisträger Big Brother Awards 2012 ###

## Kategorie "Kommunikation und Markting" ##

Nominierte: http://www.bigbrotherawards.at/2012/marketing.php

Gewinner:
Wild Wild West - Steckbriefe auf den Infoscreen der ÖBB Bahnhöfe
Nominiert: Kurt Schügerl, Digilight Werbe- und Netzwerk GmbH

"Es gilt die Unschuldsvermutung" wird gerne reißerischen Medienberichten
als Fußnote hinzugefügt, gilt es doch als absolut unumgänglich alle
jene, die nicht rechtskräftig verurteilt sind, vor einer rufschädigende
Vorverurteilung zu schützen. Die gleiche Zurückhaltung sollte unbedingt
bei der öffentlichen Fahndung angewand werden.

Ähnlich wie in den USA können auch auf den Infoscreens Straftäter
namentlich genannt werden und sind so für jedermann identifizierbar. In
jedem Fall entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob und welche Daten von
Straftätern öffentlich preisgegeben werden.

Zum Glück haben wir die Kultur der Steckbriefe in Kontinentaleuropa
nicht, bei der Fandung und Verhaftung, oft durch die Unterstützung von
Kopfgeld, an die Zivilbevölkerung delegiert wird. Wenn jetzt die Polizei
auch in der Öffentlichkeit nach Straftätern und Vermissten über
flimmernde Info-Screens auf den Wiener Bahnhöfen fahndet, werden
hunderttausende Bahnreisende verunsichert. Der Eindruck von Unsicherheit
und Gefahr wird vermittelt, ohne messbaren Fahndungserfolg. "Die Wiener
fühlen sich, wie eine IRKS-Studie zeigt, sicherer als die Hamburger,
Krakauer, Amsterdamer. Warum? Nicht weil die Polizei so demonstrativ
nach den Gaunern fahndet. Sondern weil sie sich bislang vornehm
zurückhielt."

Die Info-Screens am Westbahnhof sind das falsche Symbol. Die Polizei
fahndet seit rund zwei Monaten auf Bildschirmen in den Wiener Bahnhöfen
nach Straftätern oder Vermissten. Der Spot der Polizei ist alle zwei
Minuten auf jedem Bildschirm für 20 Sekunden zu sehen. Eine derartige
Fahndung ist europaweit einzigartig, nur aus den USA sind uns ähnliche
Videowall-Projekte bekannt", erklärte Alexander Christ, Geschäftsführer
von Digilight. Bisher hat allerdings noch kein einziger Hinweis zur
tatsächlichen Ergreifung eines Gesuchten geführt Paranoia statt
Sicherheit - You have the Choice.


## Kategorie Politik ##

Nominierte: http://www.bigbrotherawards.at/2012/politik.php

Gewinner:
Diener zweier Herren mit menschlichen Bedürfnissen
Nominiert: Johann Maier, Vorsitzender Datenschutzrat

Hauptaufgaben des Datenschutzrates sind die Beratung von Fragen von
grundsätzlicher Bedeutung für den Datenschutz sowie die Abgabe von
Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen der Bundesministerien, soweit diese
datenschutzrechtlich von Bedeutung sind. Vorsitzender ist der Abg.z.NR
Mag. Johann Maier (SPÖ). Der Datenschutzrat hat sich mehrfach und
einstimmig gegen die Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung in Österreich
ausgesprochen.

Der einzelne Abgeordnete ist verfassungsmäßig in der Ausübung seines
Mandates frei und an keine Weisungen gebunden. Einen Klubzwang kann es
daher nur als böses Gerücht geben. Doch was tun, wenn Genossen und
Genossinnen das eine, der Datenschutzrat aber das andere für richtig
halten? Ein klassische Dilemma Diener zweier Herren. Stimmt man dafür
sind die einen böse, stimmt man dagegen, sind die anderen verstimmt.

Als die Vorratsdatenspeicherung im Parlament zur Abstimmung kam, fehlte
Maier, den plötzlich ein menschliches Bedürfnis überkam. Die Pinkelpause
dauerte lange genug, um sich der Abstimmung zu entziehen. Die
Vorratsdatenspeicherung wurde mit den Stimmen der anwesenden
Abgeordneten von SPÖ und ÖVP beschlossen.

Als es Anfang 2012 um das Abkommen zum Austausch der Polizeidaten mit
den USA ging, stimmte Maier dafür - und zwar trotz davor geäußerter
Kritik des Datenschutzrats. "Weil ich Realist bin", lautete seine
Begründung.

You have a Choice, beim Wahrnehmen von Verantwortung und Erfüllen von
Aufgaben. Der Datenschutzrat ist als Kontrollorgan im Datenschutzgesetz
festgelegt, und darf deswegen nicht dem Klubzwang oder Parteiraison
geopfert werden.


## Kategorie "Businss und Finanzen" ##

Nominierte: http://www.bigbrotherawards.at/2012/finanzen.php

Gewinner:
Die vollständige Analyse und Vermarktung des gläsernen Patienten
Nominiert: Dr. Frank Wartenberg, IMS Health

Die massenhafte Speicherung von Patientendaten und die Gefahr
aufkeimender Begehrlichkeiten nach diesen sind seit Beginn der
Diskussion um ELGA ein großes, sorgenbehaftetes Thema. Die Lobbyisten
rund um ELGA weisen Bedenken der kommerziellen Auswertung von
Gesundheitsdaten gerne zurück.

IMS Health mit Hauptsitz in New Jersey ist weltmarktführendes
Marktforschungsinstitut für Gesundheitsdaten und wertet von 260
Millionen Patienten die Gesundheitsdaten aus, um z.B. Pharma-Konzernen
bei der Einführung von medizinischen "Blockbustern" zu helfen.

You have the Choice - gegen eine Aufwandsentschädigung von jährlich 432
Euro gestatten Ärzte die Installation eines Plugin, das die
Praxis-Software fortan "nach Hause telefonieren" lässt: "ein Knopfdruck
genügt und Ihre Praxisinformationen werden zur Analyse an IMS
weitergeleitet – ganz einfach aus Ihrer Praxissoftware." Patientendaten
wie Geschlecht, Geburtsjahr, Krankenscheinart, Diagnosen, Medikamente,
Dosierung, Therapie oder Laborwerte werden so an IMS Health geliefert.
Neben den Patientendaten aus Arztpraxen verarbeitet IMS Health auch
Daten von österreichischen Apotheken und Krankenhäusern, um den
österreichischen Gesundheitsmarkt und seine Patienten möglichst
umfassend zu erforschen.

Nicht nur aufgrund von schwerwiegenden datenschutzrechtlichen Bedenken
rät die Ärztekammer ausdrücklich vom Einsatz einer solchen Software in
Arztpraxen ab und schreibt an ihre Mitglieder "Es liegt auf der Hand,
dass die auf diese Weise gesammelten Daten mit hoher Wahrscheinlichkeit
an Pharmaunternehmen weiterverkauft werden. [ ... ] und stimmen Sie
diesem unseriösen Angebot keinesfalls zu!"


## Kategorie "Weltweiter Datenhunger" ##

Nominierte: http://www.bigbrotherawards.at/2012/global.php

Gewinner:
Google - ein Account für alle Plattformen
Nominiert: Larry Page, Google, Inc.

Es ist ja so bequem, als Nutzer muß man sich nur einmal anmelden, und
schon können alle Dienste von Google personalisiert genutzt werden. Da
die Eingabe von Nutzername und Passwort so aufwendig ist, wird als
besonderer Service zusätzlich angeboten, gleich angemeldet zu bleiben,
sich abzumelden wird da schon schwieriger, und so wir das Bild, den
eigenen Account-Namen rechts auf zahlreichen Webseiten zu sehen immer
vertrauter.

Der bekannteste Google-Dienst ist die Suchmaschine, doch das Unternehmen
bietet Dutzende anderer Produkte an, etwa GMail/Googlemail, die
Büro-Software Docs, den Kartendienst Google Maps, das Videoportal
YouTube, das Soziale Netzwerk Google+ und das Smartphone-Betriebssystem
Android. Dank mobilem Zugriff stehen Google dann noch "mehr Signale zur
Verfügung".

Neben diesen von uns genutzten Diensten gibt es jedoch noch zahlreiche
Dienste die per API in unzählige Webseiten, nicht nur in die, des
österreichischen Parlaments eingebaut sind. So bietet das Unternehmen
zahlreiche Webmaster-Tools, die professionellen Webanalyse, Google
Hosted Libraries oder den Google Public DNS Service an.

Google hatte erklärt, mit der Zusammenführung der Daten die "Nutzung
unserer Produkte noch unkomplizierter und intuitiver" machen zu wollen,
zum Beispiel über eine verbesserte personalisierte Suche. Zudem könne
man so passendere Werbung anzeigen.

Doch was bequem und intuitiv ist muß nicht immer rechtens sein,
zumindest wenn man der EU-Kommission glaubt, die meint "Google verstößt
bei Datenschutz gegen EU-Gesetz". Nach EU-Recht dürfen Informationen nur
für den Zweck verwendet werden, für den sie erhoben wurden.


## Kategorie "Behörden und Verwaltung" ##

Nominierte: http://www.bigbrotherawards.at/2012/verwaltung.php

Gewinner:
Österreichischer Parlamentsserver vernadert Petitionsunterzeichner
Nominiert: Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer

Das österreichische Parlament hat einen Schritt in Richtung direkte und
digitale Bürgerbeteiligung getan. Seit Ende 2011 können Petitionen und
Bürgerinitiativen über die Parlaments-Website unterstützt werden. Klingt
positiv. Doch seither weiß auch Google, wer in Österreich welches
Bürgeranliegen offiziell mit seiner Unterschrift unterstützt hat.

Bei Volksbefragungen ist auf der Parlaments-Website ein Web Service von
Google eingebaut. Mit einem Captcha soll verhindert werden, dass
Petitionen durch Webcrawler missbräuchlich automatisiert werden. Der
Preis für dieses kostenlose Google Service ist die Übermittlung aller
Daten in die USA und ein Schritt mehr in Richtung gläserner Bürger. So
weiß Google jetzt, welche 106.000 Österreicher die Bürgerinitiative
"Stoppt die Vorratsdatenspeicherung" unterschrieben haben. Es bleibt
jedem überlassen seine Stimme zu äußern, aber "Du hast die Wahl!".

Die Parlamentsdirektion begründete den Einsatz des
Google-Captcha-Programms auf Anfrage damit, dass dieses von mehr als
200.000 Websites weltweit verwendet werde, unter anderem auch von
Facebook. Für diese unreflektierte Schlussfolgerung, die im krassen
Gegensatz zum Grundrecht der unbeobachteten Wahl steht, gibt es jetzt
eine Nominierung für unsere Nationalratspräsidentin Barbara Prammer.


mit freundlichen Grüßen
--
Christian Jeitler                           Mob.:  +43-(0)699-81729005
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