Big Brother Awards: Google, Spindelegger und Indect nominiert

christian jeitler chris at quintessenz.at
Wed Oct 24 12:49:36 CEST 2012


Sehr geehrte Damen und Herren,


 wir veröffentlichen heute die letzten drei Nominierten der Kategorie
"Weltweiter Datenhunger". Mehr unter:

http://www.bigbrotherawards.at/2012/nominees.php

Morgen, 25.10., werden im Rahmen der offiziellen Big Brother Awards
Verleihung im Theater Rabenhof die Preisträger vorgestellt.


### Kategorie "Weltweiter Datenhunger" ###

    http://www.bigbrotherawards.at/2012/global.php


## Google - ein Account für alle Plattformen ##
   Nominiert: Larry Page, Google, Inc.

Es ist ja so bequem, als Nutzer muss man sich nur einmal anmelden, und
schon können alle Dienste von Google personalisiert genutzt werden. Da
die Eingabe von Nutzername und Passwort so aufwendig ist, wird als
besonderer Service zusätzlich angeboten, gleich angemeldet zu bleiben,
sich abzumelden wird da schon schwieriger, und so wir das Bild, den
eigenen Account-Namen rechts auf zahlreichen Webseiten zu sehen immer
vertrauter.

Der bekannteste Google-Dienst ist die Suchmaschine, doch das Unternehmen
bietet Dutzende anderer Produkte an, etwa GMail/Googlemail, die
Büro-Software Docs, den Kartendienst Google Maps, das Videoportal
YouTube, das Soziale Netzwerk Google+ und das Smartphone-Betriebssystem
Android. Dank mobilem Zugriff stehen Google dann noch "mehr Signale zur
Verfügung".

Neben diesen von uns genutzten Diensten gibt es jedoch noch zahlreiche
Dienste die per API in unzähliche Webseiten, nicht nur in die, des
österreichischen Parlaments eingebaut sind. So bietet das Unternehmen
zahlreiche Webmaster-Tools, die professionellen Webanalyse, Google
Hosted Libraries oder den Google Public DNS Service an.

Google hatte erklärt, mit der Zusammenführung der Daten die "Nutzung
unserer Produkte noch unkomplizierter und intuitiver" machen zu wollen,
zum Beispiel über eine verbesserte personalisierte Suche. Zudem könne
man so passendere Werbung anzeigen.

Doch was bequem und intuitiv ist muß nicht immer rechtens sein,
zumindest wenn man der EU-Kommission glaubt, die meint "Google verstößt
bei Datenschutz gegen EU-Gesetz". Nach EU-Recht dürfen Informationen nur
für den Zweck verwendet werden, für den sie erhoben wurden.


## INDECT - Auswertung der Überwachungs-Daten-Halden ##
   Nominiert: Antonio Tajani, Vizepräsident der EU Kommission

Immer mehr Daten werden über die Bürger Europas gesammelt, nun sollen
diese Daten verknüpft, analysiert und ausgewertet werden. Ziel des
Projektes ist, strafrechtlich relevante Bedrohungen und Taten zu
erkennen. Dazu sollen die Bilder aus der Videoüberwachung des
öffentlichen Raums sowie aus der Luftraumüberwachung mit Drohnen
ausgewertet und mit Informationen aus dem Internet (auch Social
Networks) und einer Vielzahl weiterer Datenquellen wie Polizei,
Telefonfirmen oder Banken automatisch verknüpft werden.

INDECT steht für "intelligent information system supporting observation,
searching and detection for security of citizens in urban environment",
also übersetzt: "intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von
Überwachung, Suche und Erfassung für die Sicherheit von Bürgern in
städtischer Umgebung".

Mit der "Operation INDECT" machte Anonymous im Sommer diesen Jahres
gegen die totale Überwachung aller EU-Bürger aufmerksam. Das von der EU
finanzierte Forschungsprojekt läuft noch bis Ende 2013. Doch auch nach
2013 geht es mit der von der EU-Kommission finanzierten Forschung
weiter: "Horizont 2020" heißt das neue Programm. Auch darin werden sich
wieder Tools zur Total-Überwachung wiederfinden.

Ist man also gleich verdächtig, nur weil ein Computer denkt, dass sich
jemand nicht "normal" verhält? INDECT soll das Geheimnis unseres
Verhaltens lüften.

You have the Choice - soll so unsere Zukunft ausschauen: Jemand, der
rennt, schreit oder laut flucht, im öffentlichen Nahverkehr auf auf dem
Fußboden sitzt oder am Bahnhof sein Gepäck vergisst kann schon als
verdächtig gelten. Eine Videoüberwachungsanlage registriert das Gesicht
und durchsucht dann automatisch das Bilderdatenbank der Polizei sowie
soziale Netzwerke oder das World Wide Web ab, um weitere Informationen
zu sammeln, um im Fall des Falles Alarm auszulösen.


## Österreichische Polizeidatensätze an die USA ##
   Nominiert: Michael Spindelegger, Außenministerium

Zwischen Europa und den USA gibt es fundamentale Unterschiede im
Datenschutzrecht. Nach 9/11 hat der Kongress beschlossen, dass jedes
Land, dessen Bürger ohne Visa in die USA reisen wollen, künftig ein
sogenanntes PCSC-Abkommen (Preventing and Combating Serious Crime)
unterzeichnen muss. Aus österreichischer Sicht sei ein Abschluss aber
"nur möglich", wenn der Rechtsschutz für die Durchsetzung der Rechte der
Betroffenen festgeschrieben würde. In Artikel 11 des fertigen Vertrages
jedoch steht: "Privatpersonen erwachsen keine Rechte aus diesem Abkommen."

Um nun weiterhin visafrei (Visa Waiver Program) in die USA reisen zu
können erhalten die US-Behörden damit automatisierten Zugang zu den DNA-
und Fingerabdruck-Dateien des Innenministeriums. Das Abkommen ermöglicht
US-Behörden den Zugriff auf heimischen Polizei-Datenbanken. Doch nicht
nur die personenbezogenen Daten von Schwerverbrechern, sondern auch die
des "kleinen Deo-Diebs" werden nach dem Treffer/Kein Treffer-Prinzip an
die USA ausgeliefert,

You have the Choice - ohne Datenabkommen hätten die USA die Visapflicht
für Österreicher wieder einführen, Michael Spindelegger hat sich für
Reiseerleichterungen statt Durchsetzung der österreichischen Position
entschieden.


mit freundlichen Grüßen
--
Christian Jeitler                           Mob.:  +43-(0)699-81729005
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