Big Brother Awards: Maria Vassilakou und ÖBB nominiert

christian jeitler chris at quintessenz.at
Mon Oct 22 10:04:37 CEST 2012


Sehr geehrte Damen und Herren,


 wir veröffentlichen heute die drei Nominierten der Kategorie
"Kommunikation und Marketing". Mehr unter:

http://www.bigbrotherawards.at/2012/nominees.php

### Kategorie "Kommunikation und Marketing" ###

    http://www.bigbrotherawards.at/2012/marketing.php

## Die Suche nach dem perfekten Mieter oder das Geschäft des Vernaderns
   Nominiert: Alexander Erhart und Michael Pucher, mietnomadencheck.at

Immer wieder klagen Hausbesitzer und professionelle Vermieter über
Bewohner, die mit ihren Mieten in Rückstand geraten oder sonstwie
unangenehm auffallen. Soll die Kaution den Landlord vor materiellen
Schaden schützen, so sind die Mühen und gerichtlichen Streitigkeiten
unangenehm und zeitaufwendig. Ganz nach dem Motto, You have the Choice,
hatte man sich für die Vermietung von Wohnraum als Kapitalanlage
entschieden, versprechen doch Immobilien auch in Krisenzeiten hohe
Renditen. Ein optimales Geschäft, wären da nicht die Risiken, die in
Form der Mieter ins Haus stehen. Doch zwei findige Geschäftsleute hatten
da die Idee, die endgültig Abhilfe schaffen soll, quasi eine
Informationsplattform von Vermieter zu Vermieter unter Ausschluss der
Öffentlichkeit. In der Exklusivität dieses Clubs soll das Wissen über
die angenehmen Mieter und die Wohnungssuchenden, denen man lieber keine
Wohnung vermieten sollte, ausgetauscht werden.

Nicht nur Mietervereinigungs-Präsident Georg Niedermühlbichler
bezweifelt aber, dass es Vermietern oder Hausverwaltungen gestattet ist,
Daten von Mietern ohne deren Eingeständnis weiterzugeben. Insbesondere
da Mieter keine Möglichkeit haben zu erfahren dass hier Daten über sie
gesammelt und ausgetauscht werden, da die Abfrage anscheinend auf
Vermieter beschränkt sind. Da einer der Betreiber Jurist ist, kann man
wohl davon ausgehen, das die Worte der Allgemeine Geschäftsbedingungen
sorgfältig gewählt sind: "Eine Abfrage ist nur gestattet wenn vom
abgefragten Mieter ein begründetes Mietinteresse besteht."

Um sich gleich von jeder Schuld frei zu waschen, wird weiter in den AGBs
festgelegt: "Die Betreiber übernehmen keinerlei Haftung für den Inhalt
den der jeweilige Eintragende auf dem Portal hinterlässt."

Mietervereinigungs-Präsident Georg Niedermühlbichler bringt es auf den
Punkt: Wenn auf der Website auch solche Mieter eingetragen werden, die
zwar pünktliche Zahler sind, aber für den Vermieter dennoch unangenehm
in Erscheinung treten, weil sie etwa beharrlich Missstände in Haus oder
Wohnung bekämpfen, dann wäre das für ihn schlicht "Wahnsinn" - im
denkbar negativsten Sinn freilich.


## Wild Wild West - Steckbriefe auf den Infoscreen der ÖBB Bahnhöfe
   Nominiert: Christian Kern, ÖBB

"Es gilt die Unschuldsvermutung" wird gerne reißerischen Medienberichten
als Fußnote hinzugefügt, gilt es doch als absolut unumgänglich alle
jene, die nicht rechtskräftig verurteilt sind, vor einer rufschädigenden
Vorverurteilung zu schützen. Die gleiche Zurückhaltung sollte unbedingt
bei der öffentlichen Fahndung angewandt werden.

Ähnlich wie in den USA können auch auf den Infoscreens Straftäter
namentlich genannt werden und sind so für jedermann identifizierbar. In
jedem Fall entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob und welche Daten von
Straftätern öffentlich preisgegeben werden.

Zum Glück haben wir die Kultur der Steckbriefe in Kontinentaleuropa
nicht, bei der Fahndung und Verhaftung, oft durch die Unterstützung von
Kopfgeld, an die Zivilbevölkerung delegiert wird. Wenn jetzt die Polizei
auch in der Öffentlichkeit nach Straftätern und Vermissten über
flimmernde Info-Screens auf den Wiener Bahnhöfen fahndet, werden
hunderttausende Bahnreisende verunsichert. Der Eindruck von Unsicherheit
und Gefahr wird vermittelt, ohne messbaren Fahndungserfolg. "Die Wiener
fühlen sich, wie eine IRKS-Studie zeigt, sicherer als die Hamburger,
Krakauer, Amsterdamer. Warum? Nicht weil die Polizei so demonstrativ
nach den Gaunern fahndet. Sondern weil sie sich bislang vornehm
zurückhielt."

Die Info-Screens am Westbahnhof sind das falsche Symbol. Die Polizei
fahndet seit rund zwei Monaten auf Bildschirmen in den Wiener Bahnhöfen
nach Straftätern oder Vermissten. Der Spot der Polizei ist alle zwei
Minuten auf jedem Bildschirm für 20 Sekunden zu sehen. Eine derartige
Fahndung ist europaweit einzigartig, nur aus den USA sind uns ähnliche
Videowall-Projekte bekannt", erklärte Alexander Christ, Geschäftsführer
von Digilight. Bisher hat allerdings noch kein einziger Hinweis zur
tatsächlichen Ergreifung eines Gesuchten geführt Paranoia statt
Sicherheit. You have the Choce - ÖBB-Chef Christian Kern sollte den
Unsinn beenden.


## Gratis WLAN für kontrollierte Bürger in Wien
   Nominiert: Maria Vassilakou, Vizebürgermeisterin Wien

SchwarzKappler in den Öffis und die weißen Kapperln der Parksheriffs in
den Blauen Zonen gehören zum gewohnten Erscheinungsbild der Stadt Wien,
die das Wohlverhalten ihrer Bürger auf Schritt und Tritt kontrolliert.
Werden die Kontrollore für angepasste Internetnutzung grüne Kapperln
bekommen?

In vielen Gegenden geht die Angst vor einem freien Internet um, und
nicht nur China hat mit dem Bau der großen Firewall die Aufmerksamkeit
auf fehlende Liberalität der dortigen Machthaber gelenkt. Alle großen
WLAN-Anbieter in Österreich bieten ihre Dienste nicht nur kostenlos
sondern auch anonym an, wie die Asfinag, die Westbahn und die ÖBB,
McDonald's und Tankstellen. An zahlreichen Plätzen in Wien kann man mit
freewave völlig unzensuriert die weiten des Internet erkundigen. Woher
kommt jetzt der Wunsch der Regierenden in Wien Missbrauch verhindern zu
müssen, indem die Nutzung nur durch eine Identifizierung per Handynummer
möglich ist., denn "Ein wichtiges Anliegen ist der Stadt Wien die
Missbrauchsvermeidung. Daher kommen Content-Filter und Firewalls zum
Einsatz."

Soll im Zeitalter der Vorratsdatenspeicherung und allgegenwärtigen
Videoüberwachung abermals das Damoklesschwert der generellen Überwachung
ausgepackt werden, um angepasstes und normgerechtes Verhalten zu
erzwingen? Lieber Wien Besucher, You have the Choice, wenn du
unbeobachtet eMails schreiben und in den Weiten des WWW surfen willst,
nutze einen der zahlreichen alternativen Hotspots.


mit freundlichen Grüßen
--
Christian Jeitler                           Mob.:  +43-(0)699-81729005
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